Cut-up

Cut-up: ER-innerung an Pet-ER

Ob ER
je Malaria gehabt hat? Oder seekrank gewesen ist? In einer Pampa
und Wüste ist ER
jedenfalls gewesen, es gibt kaum eine Landschaftsform die ER
nicht gesehen hat. Zuletzt lebte Peter im Vorstadtdschungel von
Wien, in dem Haus wo einen Stock tiefer Thomas Bernhard einige
Zeit als Kleinkind verbracht hatte.
Verschmitzt wie Peter nun einmal war, erklärte ER
in seiner dortigen Wohnung, ER
sei überzeugt, dass sein aufrechter Gang und seine verlängerten
unteren Gliedmaßen ein klares Indiz für seine Wasseraffen-Herkunft
seien. Ein weiterer Beleg für seine marine Abstammung sei der
hohe Salzgehalt seiner Tränenflüssigkeit.
Deshalb hielte ER
sich so gerne an Uferregionen und am Meer auf, ja suche geradezu
Gewässer und feuchte Biotope, deswegen liebe ER
Wein und Bier! Das begründe auch seine Liebe zu nassem Ton und
Knetmasse, in die ER
leidenschaftlich gern Gegenstände hineinquetsche, um sie dann als
Bronzen abzugießen.
Immer neugierig und auf Achse, dauernd am Weg, konnte es
durchaus sein, dass man mit ihm an einem Abend noch bei einem
Bier in einem Vorstadt-Beisel war und ER
dann zwei Tage später aus Timbuktu oder Santa Fe oder Sainihåns (St. Johann)
angerufen hat.
ER
versicherte damals in der Vorstadt, dass ER
sich noch ganz genau daran erinnern könne, wie ER
auf die Welt gekommen sei und dabei in einem einzigen Augenblick
alle Zeitalter der Menschheit durchlebt habe und all seinen
Stammverwandten begegnet sei. Diese Vorfahren bzw. deren
Nachkommen wollte ER
auf seinen Reisen wieder besuchen.
Viele Jahre vor seinem letzten Wienaufenthalt arbeitete ER
in einem Atelier in Mötz in Tirol. Der Name Tirol soll ja aus dem
Ladinischen stammen und sich von „Tro:i“ (Weg) ableiten. Dort, in
Mötz, lebten Jenische, „Karrner“ wie man sagte, die dauernd am
Weg waren. Zu ihnen fühlte sich Peter hingezogen, zu den
wandernden Kesselflickern und Besenbindern dieser Welt. Überall auf der Erde konnte ER
etwas finden und sich Unterkunft und Speise verdienen. Ob mit
Kunst oder durch seine Geschicklichkeit, give peace a chance!
‚Bazooka‘- Kaugummis hat ER
gemocht und die Plastic Ono Band auch.
Wie die Wasseraffen, die einen ausgeprägten Tauchreflex haben,
tauche auch ER
immer wieder gerne unter, ja ER
liebe es geradezu, dann und wann zu verschwinden. Bei einem
Treffen in der Vorstadt äußerte ER
auch jene Worte von Dante, nämlich, dass uns drei Dinge aus dem
Paradies geblieben seien: Sterne, Blumen und Kinder!
Danach war Peter abgetaucht, versteckte oder erholte sich
irgendwo, vielleicht schmierte ER
Fett und Federn mit einem Voodoo Priester auf einen Altar in Afrika
oder ER
trank gerade einen Capuccino in Venedig?  Auf der Spur von etwas Außergewöhnlichem, Unerwartetem lugte ER
manchmal hinter Pforten, die weniger Neugierigen verschlossen
bleiben. Vielleicht ist ER
dort dem Ahnvater der Wasseraffen begegnet, hat am unendlich
langen Schlauch einer Wasserpfeife genuckelt und dabei einen Ur-
Wal getroffen und ist mit ihm fortgeschwommen.

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© Janus Zeitstein 2023